Neue Broschüre: SklavInnen und LohnarbeiterInnen
Unsere neue Broschüre „SklavInnen und LohnarbeiterInnen“ (ca. 124 Seiten) von Soziale Befreiung ist da. Die Broschüre könnt Ihr hier für 5-€ (inkl. Porto) über Onlinemarktplatz für Bücher booklooker.de oder direkt bei uns auch als E-Book bestellen.
Inhalt
Einleitung
I. Die globale Übergangsperiode zum Industriekapitalismus
1. Allgemeiner Überblick
2. Die Entwicklung des Handels und der kapitalistischen Warenproduktion
3. Die Herausbildung bürgerlicher Nationalstaaten
II. Kapitalistischer SklavInnenhandel
1. Der SklavInnenhandel in der griechisch-römischen Antike
2. Arabisch-muslimischer SklavInnenhandel
3. Innerafrikanischer SklavInnenhandel
4. Europäischer/US-amerikanischer SklavInnenhandel
III. Auf Sklaverei basierende kapitalistische Warenproduktion
1. In der griechisch-römischen Antike
2. In Amerika
3. In West- und Ostafrika
4. Die Rolle der Sklaverei in der globalen Übergangsperiode zum Industriekapitalismus
IV. Flucht, Widerstand und Rebellion der SklavInnen in Amerika
1. SklavInnenrebellionen auf hoher See
2. Alltäglicher Widerstand der SklavInnen in Amerika
3. Flucht und Aufstände der SklavInnen in der Karibik
4. Flucht und Aufstände der SklavInnen in Brasilien
5. Flucht und Aufstände der SklavInnen in Nordamerika
6. „Weiße“ Schuldknechte und „schwarze“ SklavInnen auf Barbados
7. Die Verschwörung in New York von 1741 – ein gemeinsamer Kampf
zwischen „weißen“ Unterschichten und „schwarzen“ SklavInnen?
8. „Weiße“ UnterstützerInnen der „schwarzen“ SklavInnen in den USA
V. Kapitalistische Modernisierung: Von der Leibeigenschaft und Sklaverei zur
vorwiegend doppelt freien Lohnarbeit
1. Die doppelt freie Lohnarbeit
2. Entwicklung der Lohnarbeit in Europa
3. Aufhebung der Leibeigenschaft, Entwicklung der Lohnarbeit und des
außerökonomischen Zwanges in Preußen/Deutschland
4. Aufhebung der Leibeigenschaft und der Sklaverei in Lateinamerika und in der britischen Karibik
5. Die industriekapitalistische Aufhebung der Sklaverei und die rassistische Extraausbeutung
des „schwarzen“ Proletariats in den USA
6. Die Transformation der Sklaverei zur Lohnarbeit in Ost- und Westafrika
VI. Proletarischer Klassenkampf, institutionalisierte ArbeiterInnenbewegung und Sklaverei
1. Der proletarische Klassenkampf
2. Die institutionalisierte ArbeiterInnenbewegung
3. Vorindustrielle Seeleute, HafenproletarierInnen und SklavInnen
4. Frühe englische institutionalisierte ArbeiterInnenbewegung und Sklaverei
5. Marx/Engels und die industriekapitalistische Aufhebung der Sklaverei in den USA
Alltäglicher Widerstand der SklavInnen in Amerika
Der alltägliche Widerstand der SklavInnen in Amerika umfasste die Arbeitsenthaltung, Sabotage an Werkzeugen und Maschinen, individuelle Gewalt gegen SklavInnenaufseher und -halter, den Diebstahl, die illegale Jagt sowie die Selbstverstümmelung und den Selbstmord. Das in diesem Klassenkampf der SklavInnen zum Ausdruck kommende Klassenbewusstsein war wahrscheinlich im überwiegenden Falle instinktiv. Dies schreiben wir nicht, um den Klassenkampf der SklavInnen abzuqualifizieren. Der Instinkt spielt in der Praxis der Menschen eine sehr große Rolle, auch für den Klassenkampf der SklavInnen und LohnarbeiterInnen. Er ist das Vorbewusste, der zweckmäßiges Handeln ermöglicht, auch ohne sich über die Bedeutung dessen voll bewusst zu sein. Der Klasseninstinkt der SklavInnen war die Bewusstseinsform die notwendig war, um den alltäglichen Kampf zu führen. Dieser Kampf wiederum war eine objektive und subjektive Notwendigkeit, die aus der Sklaverei selbst hervorging. Für die sozialrevolutionäre Aufhebung der Sklaverei durch die SklavInnen selbst wäre dagegen ein glasklares sozialrevolutionäres Bewusstsein und ein Klassenbündnis mit den LohnarbeiterInnen zur Überwindung des Kapitalismus notwendig gewesen. Das hat sich jedoch nicht heraus entwickelt. Die Sklaverei wurde durch die industriekapitalistische Modernisierung im 19. Jahrhundert in Amerika aufgehoben, während der proletarische Klassenkampf erst im 20. Jahrhundert stärkere sozialrevolutionäre Tendenzen zeigte (siehe Teile V und VI).
Menschen haben materielle Interessen und sozialpsychologische Bedürfnisse. Versklavte Menschen sollten aber gar keine haben. Sie sollten selbstlos für ihre Herren Mehrwert produzieren. Aber selbstverständlich hatten auch die SklavInnen materielle Interessen und sozialpsychologische Bedürfnisse. Zum Beispiel die, nicht für fremde Interessen bis zur völligen körperlichen Erschöpfung zu arbeiten. Oder das sozialpsychologische Bedürfnis, diejenigen die sie körperlich misshandelten, selbst zu misshandeln. Ja, bei selbstbewussten Menschen – auch und gerade bei versklavten – wird der unbezwingbare Wille, sich nicht alles gefallen zu lassen, zur sozialpsychologischen Triebkraft des Widerstandes gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Der instinktive Widerstand der SklavInnen schädigte die Mehrwertproduktion für ihre Herren, auch ohne, dass die ersteren eine klare theoretische Vorstellung ihrer Ausbeutung – die Mehrwerttheorie – besaßen. Aber dass sie ausgebeutet wurden, dass spürten die versklavten Menschen in ihrer Mehrheit. Und auch der Wille zum Widerstand entsteht vorbewusst.
SklavInnen enthielten sich ihrer Arbeitskraft sowie sie den Augen und Peitschen ihrer AufseherInnen entschwanden. Die Ausbeutung von SklavInnen ergab oft folgendes Bild: Diejenigen SklavInnen, die unter der totalen Kontrolle der Aufseher standen, arbeiteten gezwungenermaßen sehr hart, diejenigen die von ihren Peinigern nur noch halb wahrgenommen wurden, arbeiteten schon wesentlich langsamer und die, die völlig unbeaufsichtigt waren so gut wie gar nicht mehr. Auch das bewusste schlechte Arbeiten gehörte zum alltäglichen Widerstand der SklavInnen.
Francois Volney schrieb über die alltägliche Widerstandsform der Arbeitskraftenthaltung bei den SklavInnen von Thomas Jefferson im Sommer 1796: „Nach dem Nachtmahl gingen der Herr [Jefferson] und ich, den Sklaven beim Erbsenpflanzen zuzusehen. Ihre mehr schmutzigbraunen als schwarzen Leiber, ihre schmutzigen Lumpen, ihre elende, abscheuliche Halbnacktheit, die verhärmten Gestalten, das geheimnistuerische, angstvolle Gebaren, die hasserfüllten, furchtsamen Blicke, dies alles erfüllte mich sofort mit einem Gefühl von Schrecken und Traurigkeit, vor dem ich mein Angesicht verbergen musste. Die Trägheit, mit der sie den Boden mit der Hacke umwarfen, war außerordentlich. Der Herr ergriff eine Peitsche, um ihnen Angst zu machen, und schon bald entspann sich eine komische Szene. Er stellte sich in die Mitte der Arbeitskolonne, er schüttelte die Glieder, er knurrte, er drohte, er drehte sich weit ausholend nach allen Seiten um. Und indem er den Kopf wandte, änderten die Schwarzen einer nach dem Anderen ihre Haltung: Diejenigen, welche er unmittelbar ansah, arbeiteten am besten, diejenigen, welche er aus dem Augenwinkel sah, arbeiteten am wenigsten, und diejenigen, welche er überhaupt nicht sah, hörten ganz und gar auf zu arbeiten; und wenn er sich umdrehte, so wurde die Hacke in sein Gesichtsfeld gehoben, aber davon abgesehen wurde hinter seinem Rücken geschlafen.“ (Jean Gaulmier, Un Grand Témoin de la Révolution et de lʻEmpire: Volney, Hachette, Paris 1959, S. 21.)
SklavInnen wurden von ihren Herren schlechter als die Tiere, Werkzeuge und Maschinen behandelt. Infolgedessen betrieben die SklavInnen Sabotage an Werkzeugen und Maschinen. Durch die Sabotage zeigten die SklavInnen in der Praxis, dass sie mehr waren als menschliches produktives Kapital, dass für ihre Herren Mehrwert produzierte. Sie waren Klassenkampfsubjekte, die das kaputt machten, was sie kaputt machte. Die Technologie war die Waffe ihrer Herren, um sie bis aufs Blut auszubeuten und zu unterdrücken. Durch Sabotage schmälerten die versklavten Menschen den Mehrwert ihrer Herren.
Der Selbstmord und die Selbstverstümmelung stellten eine selbstzerstörerische Form des Widerstandes dar. Die SklavInnen gaben ihren Herren durch Selbstmord in der Praxis zu verstehen: „Ihr wollt uns auszubeuten und unterdrücken bis zum Tod. Nun, wir wählen den Tod, um von euch nicht mehr ausgebeutet und unterdrückt zu werden.“ Auch wenn der Widerstand gegen die Sklaverei selbstzerstörerisch war und das Motiv des Widerstandes wahrscheinlich oft nur sehr instinktiv ausgeprägt war: Auch auf diese selbstzerstörerische Weise wurde die Mehrwertrate ihrer Herren reduziert. Sklavinnen trieben auch ab, weil sie keine versklavten Menschen auf die Welt bringen wollten.
Zur Unterdrückung der SklavInnen gehörte körperliche Gewalt durch die Aufseher und ihre BesitzerInnen. Indem die SklavInnen ihrerseits zur körperlichen Gegengewalt in Form von Schlägen, Überfällen, Entführung und Mord ihrer Peiniger übergingen, wurden sie aus Objekten der Unterdrückung zu Subjekten des Klassenkampfes. Auch der Vandalismus und die Brandstiftung durch SklavInnen gehörten zum gewalttätigen Widerstand.
Die SklavInnen in Amerika stahlen aus Not, Rache und um einer Gesellschaft, die sie um ihr Leben bestahl, zu schädigen. So wurden vor allem Kleidung, Nahrung, Tiere, Wertgegenstände und Statussymbole von den SklavInnen gestohlen. Der Widerstand konnte auch kulturelle Formen annehmen, indem die versklavten Menschen sich heimlich schöne Klamotten anzogen – die sonst den „Weißen“ vorbehalten waren – sowie ihre eigene Musik, Tänze und Religiösität entwickelten. SklavInnen wurden zu Subjekten eines afroamerikanischen ChristInnentums.
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